#12/ 2019
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ein paar worte zum geleit

Die „Buchtage 2019“ des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels stehen vor der Tür, und auch hier hat man sich dem digitalen Thema nicht verschließen können, läuft doch die Veranstaltung unter dem Motto „Und morgen das Buch? Schreiben und Lesen im digitalen Zeitalter“. Dieses „digitale Zeitalter“ (man könnte auch ironisch anmerken: Willkommen im 21. Jahrhundert!) hat seine Krallen ja schon tief ins Fleisch der Buchbranche geschlagen, Auslöser war die vielfach zitierte Studie der GfK und 6 Millionen Leser und Leserinnen, die man verloren habe. Da passt es gut, dass einige Tage vor der Veranstaltung der Börsenverein vermelden konnte, dass mit Blick auf das Jahr 2018 eine „Trendwende“ geschafft sei: Man habe „300.000 Buchkäuferinnen und -käufer zurückgewinnen“ können. Das sind erst mal positive Nachrichten, als Skeptiker kann ich mir dennoch die Überlegung nicht verkneifen, ob wir es hier eher mit einer Konsolidierungsphase zu tun haben – was ja schon gut wäre –, oder ob eine Schwalbe wirklich schon einen Sommer ausmacht. Das werden mit Sicherheit die nächsten Jahre zeigen, schließlich geht Netflix nicht weg, um es salopp zu formulieren. Kollege Daniel Lenz, der den dpr-Medienmonitor „Zukunft der Mediennutzung 2019“ verantwortet, sieht auf der Grundlage der Analysen keine Entwarnung: „Fest steht jedoch, dass die Trends gerade in der – für die Zukunft der Buch- und Medienbranche – alles entscheidenden jüngeren Zielgruppe nicht so eindeutig (positiv) ausfallen wie vom Börsenverein suggeriert. Das hat im Frühjahr der dpr-Medienmonitor ‚Zukunft der Mediennutzung 2019‘ gezeigt, eine große Analyse gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut YouGov, die gezielt die Bevölkerungsgruppe der Mediennutzer von 14 bis 29 Jahren in den Fokus rückt.“ Den Medienmonitor, so viel Eigenwerbung muss sein, gibt es jetzt übrigens in einer Basic-Version mit den wichtigsten Ergebnissen zum unschlagbaren Preis von 99 Euro.

Doch zurück zum Thema Börsenverein und das 21. Jahrhundert: Auf den Buchtagen stehen Vorstandswahlen und damit auch die Wahl eines neuen Vorstehers (oder diesmal Vorsteherin?) an. Das hatte in der Vergangenheit die Aufgeregtheit eines Konferenz-Kaffees, doch dieses Mal ist nicht nur tatsächlich Wahlkampfstimmung – er wird auch auf allen Kanälen ausgetragen, per Video, im Web und sogar in den sozialen Netzwerken. Gut, auch hier gibt es eine traditionelle Stoßrichtung, Wahlkampf wird auf Facebook in der Gruppe „Buchhandelstreff“ geführt, merkwürdigerweise nicht in den eher verlagsnahen Gruppen oder der Börsenverein-Gruppe selbst. Aber er wird geführt – und angesichts der Peinlichkeiten, mit denen uns einige politische Parteien gerade den Alltag würzen, nicht einmal schlecht. Endlich wird auch einmal diskutiert, oft auch sehr kontrovers – aber genau darum geht es ja. Diese Entwicklung ist eher ein Zeichen dafür, dass die Digitalisierung in der eher als träge empfundenen Buchbranche angekommen ist.

Viel Spaß und Erkenntnisse wünscht Ihr 

Steffen Meier