#12 / 2018
6/16

„wir verkürzen den weg zum leser-feedback“

Facebook-Gruppen von Buchverlagen sind hierzulande noch eine Ausnahme. Vor geraumer Zeit ist der Suhrkamp Verlag mit der „Seitenweise Suhrkamp“-Gruppe an den Start gegangen, um mit der Leser-Community in engen Kontakt zu treten. Die Gruppe selbst ist geschlossen, der Zutritt muss also beantragt werden. Der dpr sprach dazu mit Demian Sant’Unione, Teamleiter des Online- und Lesermarketings des Suhrkamp Verlags.

Sind Facebook-Gruppen von Verlagen nach den Algorithmus-Änderungen jetzt die neue Alternative zu Facebook-Seiten?

Die Zielsetzung ist zunächst mal eine andere und unsere Facebook-Seiten werden auch weiterhin mit unvermindertem Einsatz bespielt. Es ist aber in diesem kleineren Rahmen der Facebook-Gruppe leichter, wirklich in Kontakt mit den Leserinnen und Lesern zu kommen. Angesichts der überall sinkenden Reichweiten ist es aber – je nachdem, wie sich die Gruppe entwickelt – durchaus denkbar, dass sich der Fokus ein wenig verschiebt. Derzeit ist es eine Ergänzung unserer Social-Media-Aktivitäten.

Worum geht es bei „Seitenweise Suhrkamp"?

Die Mitglieder stimmen jeden Monat über ein Buch ab, das wir dann in der Folge gemeinsam lesen und diskutieren. Wir machen Vorschläge, es dürfen aber auch eigene Ideen in die Umfrage eingebracht werden. Vom ausgewählten Buch verlosen wir einige Exemplare unter allen, die dafür gestimmt haben und laden natürlich auch alle anderen ein, sich an der Diskussion zu beteiligen. Wir liefern dann Inhalte zum Buch, Hintergrundinformationen und bieten gelegentlich auch die Möglichkeit, die Autor/innen oder das Lektorat zu befragen. Eigentlich gewissermaßen ein Suhrkamp-Online-Lesekreis. Jetzt im Mai haben sich die Mitglieder für William Finnegans Barbarentage entschieden.

Was ist das strategische Ziel von „Seitenweise Suhrkamp"?

Einerseits möchten wir die Interaktion mit unseren Facebook-Fans erhöhen. Wir haben täglich mehrere Posts auf unseren Facebook-Seiten, da entsteht selten ein längerer Dialog. In der Gruppe können wir erfahren, welche Bücher die Mitglieder am liebsten lesen möchten, was sie daran beschäftigt. Andererseits verkürzen wir den Weg, uns Feedback zu unseren Büchern zu übermitteln und möchten so die Leserbindung erhöhen. Dabei haben wir natürlich unseren Relaunch Mitte 2019 im Blick, da eine solche Community ja auch Anforderung für die neue Website werden könnte …

Ist der Aufwand höher als bei der Administration von Seiten? Wer macht das bei Suhrkamp?

Die Redaktion sowohl der Seite als auch der Gruppe liegt in den Händen des Online- und Lesermarketings – und ja, der Aufwand in der Gruppe ist natürlich ein wenig höher. Einerseits organisatorisch (von der Vorbereitung der Umfrage bis zum Versand der verlosten Bücher), aber auch redaktionell, da sowohl die Interaktionsrate höher ist, wir aber auch deutlich tiefer in die Inhalte der Bücher einsteigen als z.B. bei einem Post auf der Facebook-Seite, der in wenigen Sätzen eine Neuerscheinung ankündigt.

Wie bekommt man Mitglieder in eine Verlags-Facebook-Gruppe?

Mit gezielten Posts auf der Facebook-Seite, die dann zielgruppengenau beworben werden, klappt das eigentlich ganz gut. Immer wieder werden wir auf der Facebook-Seite Einblicke liefern, sodass die Gruppe hoffentlich kontinuierlich wächst.

Ist es geplant, Autoren einzubeziehen? Niemand steht dem Leser ja näher.

Ja, absolut, das ist geplant. Je nach Verfügbarkeit sollen entweder die Autorinnen oder Autoren selbst oder die Kolleginnen und Kollegen im Lektorat für kleine Fragerunden eingebunden werden.

Interessieren sich die Kollegen aus dem Verlag für „Seitenweise Suhrkamp"? Gibt es hier Rückmeldungen und Austausch – oder ist die Gruppe ein Solitär?

Unsere Aktivitäten werden durchaus mit Interesse verfolgt, ja. Mitglieder werden die meisten Kolleginnen und Kollegen aber nicht – vielleicht, weil sie von den Verlosungen ausgeschlossen sind …

Wie geht es weiter mit „Seitenweise Suhrkamp"?

Das würde ich auch gern wissen. Wir schauen mal, wie sich die Gruppe entwickelt und freuen uns jetzt erst mal, dass sie vom Start weg so gut aufgenommen wurde – das ist ja alles andere als selbstverständlich.







Demian Sant’Unione, geboren 1986 in Wuppertal, studierte Angewandte Literaturwissenschaft, Deutsche Philologie und Theaterwissenschaft in Berlin. 
Im Suhrkamp Verlag ist er Teamleiter des Online- und Lesermarketings. Zuvor war er für die Literaturagentur Mohrbooks und am Goethe-Institut Paris tätig.