#11/ 2020
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Ein paar Worte zum Geleit

Innovationen im Publishing kommen längst nicht mehr nur primär von reichweitenstarken Publikumsverlagen und Medienhäusern. Den Prozess der digitalen Transformation treiben auch Startups und hochspezialisierte Forschungseinrichtungen sowie Dienstleister an. Von den Innovationsschüben besonders der Spezialisten zeugt die Liste der SiegerInnen des zur Frankfurter Buchmesse verliehenen digital publishing award 2020, die wir Ihnen in diesem Ausgabe noch einmal im Profil präsentieren.

Die Riege der GewinnerInnen ist in diesem Jahr – wie bereits 2019 –  sehr breit gestaffelt und reicht von Carlsen als klassischem  Buchverlag, der neue digitale Wege der Zusammenarbeit eingeführt hat (Stichwort: New Work). Über scoolio als Entwickler einer App, die den Alltag von SchülerInnen zu organisieren hilft und diese mit Unternehmen vernetzt – tolle Tools plus Community-Building ist hier das Erfolgsrezept. Über das Deutsche Archäologische Institut, das eine Readerplattform für Forschungsliteratur und andere Inhalte entwickelt hat – hier geht es um eine moderne Darstellung und Vernetzung von Open-Access-Inhalten. Über die Universal Edition, die den Vertrieb von Noten und Partituren via Tablet, Smartphone und Desktop steuert – ein radikal neues Vertriebsmodell für dieses Branche. Bis hin zu Tobias Ott, der nicht nur als Pionier des XML-Publishing die Branche digitalisiert, sondern auch als Aufsichtsrat bei Greenpeace digitale Schübe auslöst.

Das alles ist heutzutage Publishing, lautet ein Gedanke der Organisatoren des digital publishing award. Längst gibt es keine klassischen Branchengrenzen mehr. Längst sind Medienhäuser nicht mehr die einzigen Spezialisten auf ihrem Gebiet. Publisher sind all die, die über interessante Inhalte und Reichweiten verfügen – eben weil der Zugang zu Produktionsmitteln kein Gatekeeper mehr ist. Eine Entwicklung, die vor 20 Jahren mit dem Aufkommen von Blogs in Gang gesetzt wurde und sich seither mit unzähligen neuen Impulsgebern beschleunigt hat. Und so sind es heute die Influencer, die vielleicht die besten Chancen haben, mit ihren Inhalten und der in ihrer DNA verankerten Agilität morgen die größten Reichweiten und Interaktionsraten zu erzielen.

Für uns, als klassisch sozialisierte Medienmacher mit digitaler Affinität, wird es besonders spannend sein, zu beobachten, wie die früheren Inhalte-Kontrolleure, Medienhäuser, AutorInnen und JournalistInnen, auf diese Entwicklung reagieren. Journalismus as a Service ist eine Antwort, die Olaf Deininger in diesem Magazin vorstellt: Eigentlich hätten sich JournalistInnen schon immer als Dienstleister der LeserInnen begreifen sollen – ist früher aber oft gescheitert, wenn sich JournalistInnen eher als Dienstleister des eigenen Egos verstanden haben. Jetzt liegt in der radikalen Umsetzung dieser Dienstleister-Mission, und zwar mit hyperlokalem Themen-Fokus, die Hoffnung, sich ein Stück vom geschrumpften Kuchen der Ausgaben für Medien zu sichern. Schaun mer mal, ob’s gelingt.

So oder so wird der digital publishing award diese Entwicklung in den kommenden Jahren abbilden, wie ein Chronist, der einmal im Jahr den Scheinwerfer auf die herausragenden AkteurInnen in dieser digitalen Transformation richtet. 


Viel Spaß bei der Lektüre

Ihr


Daniel Lenz