#11/ 2020
8/15

Künstliche Intelligenz für alle

Künstliche Intelligenz (KI) ist längst keine Domäne der US-Datenriesen mehr. Mittlerweile können auch für kleinere und mittelständische Unternehmen KI-Anwendungen nutzen.

Im letzten Monat habe ich in Stuttgart zwei Bundestagsabgeordnete getroffen. Unser Thema: der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen. Meine Kernforderungen in dem knapp 60-minütigen Gespräch: Um die Demokratisierung von KI voranzutreiben, brauchen wir einen intensiveren Austausch unter Anbietern und Anwendern – und die Politik muss der Förderer davon sein. Doch vor allem gilt: Die Gelder für den Ausbau und die Nutzung von Künstlicher Intelligenz müssen in Zukunft anders verteilt werden. 

Denn die Zeiten, in der Künstliche Intelligenz (KI) eine reine Domäne der US-Datenriesen war, ist definitiv vorbei. Mittlerweile können auch für kleinere und mittelständische Unternehmen KI-Anwendungen nutzen. Schon heute sind viele Softwareanbieter in der Lage, praktikable, kostengünstige und vor allem gute KI-Lösungen anzubieten. Die Politik bemüht sich mit Milliarden-Investitionen, vor allem die Entwicklung großer KI zu fördern. Doch nicht immer ist es realistisch, nur in großen Projekten dem „autonomen Fahren“ zu denken. Wenn KI demokratisiert und für alle verfügbar sein soll, müssen wir auch die Kleinunternehmer und Freelancer mitnehmen und fördern! Wir müssen sie zu mutigen und fehlertoleranten Anwendern machen. Das erste KI-Projekt muss nicht gleich profitabel oder revolutionär sein. Vielmehr sollten wir in kleinen Schritten denken und ein ganzheitliches Verständnis der Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz erlangen. Dafür müssen Erfahrungen gesammelt, Gedankenwelten geöffnet und Einstiegsschwellen so niedrig wie möglich gehalten werden. Und das funktioniert nur, wenn auch die Anbieterseite handelt – beispielsweise in Form von intuitiven Nutzeroberflächen und realistischen Preismodellen, um Einstiegsbarrieren zu senken.

Was wir dafür allerdings brauchen, sind staatliche Förderungen und ein Verständnis auf Anwenderseite, einfach mal zu machen. Und an diesem Punkt stimmten mir beide MdBs voll und ganz zu. Denn Fortschritt kann es nur geben, wenn man überhaupt losgeht – und ganzheitlich gelingt das nur, wenn alle mitmachen können. Auch die, die keine Milliarden-Gewinne einfahren und nicht zur Wirtschaftselite der deutschen Industrie gehören. Wir dürfen gespannt sein.

Der Autor

Saim Alkan ist Gründer und CEO von AX Semantics. Der Wirtschaftsingenieur und KI-Experte erkannte früh die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz zur automatisierten Texterstellung in den Bereichen E-Commerce und Verlagswesen.