#11/ 2019
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"günstige cloud-redaktionssysteme werden kommen"

zum 21. CrossMediaForum am 3. juli in münchen

Das diesjährige "CrossMediaForum" findet unter dem Motto "Innovationen beim Cross Media Publishing" zum 21. Mal statt. Hand aufs Herz – kann man nach 21 Jahren noch über "Innovation" sprechen?

Da fällt meine Antwort zweigeteilt aus: Einerseits sind die konzeptionellen, aber auch die technischen Grundlagen seit der ersten Durchführung unverändert. Bereits damals ging es darum, Inhalte möglichst nicht nach gestalterischen, sondern nach inhaltlichen und vor allem Vermarktungskriterien zu managen. Und bereits damals lautete die Antwort: Verlage müssen ihre Inhalte möglichst granular strukturieren und in einem leistungsfähigen Format abspeichern – in XML also. Das ist auch heute noch die Grundlage, aber – jetzt kommt das Andererseits – haben sich die technischen Möglichkeiten verändert. Die Softwaretools z. B. zum Erstellen und Bearbeiten von XML-Dateien, aber auch im Bereich Workflow sind leistungsfähiger geworden. Vor allem medienneutralen Redaktionssysteme haben sich stark gewandelt und sind flexibler und viel schneller einsetzbar. Weitere Innovationen gibt es im Bereich PrintCSS, also dem Publizieren auf HTML 5-Basis, und in dem großen Gebiet der Semantik bis hin zu KI-Anwendungen. 

Der Begriff "Künstliche Intelligenz" wird ja für manchen schon zum Unwort - gibt es denn endlich praktische Umsetzungen im Verlagsbereich zu sehen? 

Im Verlagsbereich gibt es viele Ideen und noch recht wenige Ansätze. Die Verlage sind ja gerade erst dabei, die Möglichkeiten der semantischen Aufbereitung ihrer Inhalte zu erkennen und zu erschließen, da sprechen wir noch nicht von KI. Im KI-Bereich gibt es einige Anwendungen, hier möchte ich auf unseren KI-Report 2018 verweisen. Anwendungen finden z. B. in der automatisierten Vergabe von Metadaten oder der Erstellung von Texten. Beim CrossMediaForum zeigt die Beck’sche Druckerei, wie sie KI zur Einschätzung von Auflagenhöhen für Erstauflagen und Nachdrucke einsetzt, ein Thema, dass bei allen Verlagen auf der Agenda steht. 

In den letzten zehn Jahren scheint sich in Sachen Technologie bei den Verlagen mehr und mehr die Spreu vom Weizen zu trennen, und zwar Investitionsseitig. Im Moment merkt man das an einer ganz anderen Baustelle, dem Endkundenmarketing, das ohne CRM-System und entsprechende Budgets nicht sinnvoll funktioniert. Wie sieht das im Bereich Cross Media Publishing, den Produktionsprozessen, aus?

Das Bild ist vergleichbar, wobei die innovativen Verlage schon seit Jahren in Content Management investieren. Manche Verlage wechseln auch ihre Systeme wieder, auch da zeigen wir Beispiele auf dem Forum. Fachverlage kommen eigentlich nicht mehr ohne ein entsprechendes Redaktionssystem aus, aber vor allem die kleineren können sich die Investitionen kaum leisten. Ich denke, dass sich hier Cloudlösungen entwickeln werden, bei dem ein Verlag ein solches System weder kauft noch implementiert, sondern einfach in der Cloud mietet. Wir zeigen das im Forum am Beispiel von einem CMS für Lerninhalte, das vorkonfiguriert ist und aus dem sofort publiziert werden kann.