Niklas Lewanczik
Vom Traumschiff Enterprise und ChatGPT Enterprise
Nein, Bully Herbig zeichnet nicht verantwortlich für diese Ausgabe. Allerdings, wenn Menschen etwas mit dem Traumschiff (das ZDF lässt grüßen) verbinden, dann sind es wohl Dinge wie Ruhe, ein klein wenig Abenteuerlust und ein Happy End mit Wunderkerzen. Die Lust, etwas Neues zu entdecken und auszuprobieren, mehr Ruhe im Arbeitsalltag und dementsprechend eine Art Happy End für die Digitalisierung im Business-Kontext, all das bieten zeitgemäße KI-Tools im weitesten Sinne, allen voran ChatGPT. Jetzt ist die bisher beste ChatGPT-Ausführung da. Mit Superlativen wird im Marketing gern gespielt, doch nicht immer halten die angepriesenen Dienste und Produkte, was diese Superlative versprechen. Diese Woche hat auch OpenAI mit einem Superlativ für Furore gesorgt. Das KI-Unternehmen hat die für größere Unternehmen ausgelegte ChatGPT-Version ChatGPT Enterprise gelauncht – und damit nach eigenen Angaben die bisher kraftvollste ChatGPT-Version. Und ChatGPT Enterprise soll nicht weniger als die Arbeitswelt revolutionieren:
„[…] We believe AI can assist and elevate every aspect of our working lives and make teams more creative and productive. Today marks another step towards an AI assistant for work that helps with any task, is customized for your organization, and that protects your company data.“
Viele Unternehmen setzen bereits seit einiger Zeit auf ChatGPT – dazu zählen etwa Canva , The Estée Lauder Companies Inc. und PwC. Mit der neuen Enterprise-Lösung, die viel Aufmerksamkeit in den Medien auf sich gezogen hat, sollen die Workflows weiter optimiert werden können. Klarnas CEO Sebastian Siemiatkowski viele Vorteile im Launch von ChatGPT Enterprise:
„At Klarna, we are constantly seeking innovative solutions to strengthen our employees‘ abilities and enable them to best serve our 150 million active users across the globe. With the integration of ChatGPT Enterprise, we’re aimed at achieving a new level of employee empowerment, enhancing both our team’s performance and the customer experience.“
Die neue ChatGPT-Version bietet diverse Vorteile für Companies. Hinsichtlich des Datenschutzes gibt OpenAI an, kein KI-Training auf Basis von Business-Daten und -Konversationen durchzuführen. Auch ist die Version Service Organization Control 2 (SOC 2)-konform, Daten werden verschlüsselt und über die neue Admin Console können Teams gemanagt und Verifizierungen sowie Sicherheits-Checks initiiert werden.
In Bezug auf die Leistung des Tools wiederum soll ChatGPT Enterprise keine sogenannten Usage Caps beinhalten und insgesamt deutlich schneller (bis zu doppelt so schnell) arbeiten als ChatGPT. Zudem sorgen 32k-Token-Kontext-Windows dafür, dass viermal mehr Input verarbeitet werden kann – größere Datenmengen und Dateien werden vom KI-Tool schnell bearbeitet. Zusätzlich bietet die Version einen unlimitierten Zugang zur umfassenden Datenanalyse (zuvor war diese unter dem Namen Code Interpreter bekannt). Das Plugin für den Code Interpreter war im Juli für Plus User ausgerollt worden.
Wer nicht nur mit Templates die eigenen Workflows anpassen, sondern auch für das eigene Unternehmen eine komplett eigene Struktur für ChatGPT erstellen möchte, kann über den Zugriff auf ChatGPT Enterprise mit einigen Credits auf die API zugreifen, um eigene Änderungen vorzunehmen.
Weitere Updates sind geplant, darunter eine erweiterte Personalisierung, die die Verbindung von Unternehmensdaten mit genutzten OpenAI-Applikationen ermöglicht, ein Self-Serve-Angebot für kleinere Teams, die auf die Business-Lösungen von ChatGPT setzen und eine optimierte Datenanalyse, die spezifisch auf den Arbeitskontext ausgerichtet ist. Auch spezifizierte Rollen-Tools, die Funktionen eigens für Team-Mitglieder wie Data Analysts oder Marketer:innen bieten, könnten hinzukommen. Kürzlich hat OpenAI außerdem angegeben, dass Entwickler:innen das Modell GPT-3.5 Turbo mithilfe von eigenen Daten personalisieren und für die eigenen Zwecke feinjustieren können. Entwickler:innen können dank dieses Updates einzigartige Erfahrungen für ihre Kund:innen und User erstellen. Noch vor diesem Update launchte OpenAI ein weiteres hilfreiches Feature für jene, die auf ChatGPT setzen, auch in der EU und im Vereinigten Königreiche: die kostenfreien Custom Instructions für den KI-Bot. Diese kannst du beispielsweise einsetzen, um deinen Schreibstil zu personalisieren oder ein konsistentes Antwortformat vorzugeben.
Unterdessen haben SparkToro und Datos Inc herausgefunden, dass der Traffic auf OpenAI.com seit Mai 2023 um knapp 29 Prozent zurückgegangen ist. Im Rahmen der Ursachenermittlung haben die Unternehmen tausende ChatGPT Sessions analysiert und herausgefunden, dass das Tool besonders häufig für Programmierungs- und Lehrzwecke, aber auch für die Content-Erstellung genutzt wird. Wörter wie „Write“ (35,41 Prozent), „Create“ (21,62 Prozent) und „List“ (20,03 Prozent), aber auch „SEO“ (2,39 Prozent) tauchten bei den Prompts vielfach auf.
Während ChatGPT immer vielfältiger wird, entwickelt auch Google die eigenen KI-Dienste weiter. So wurde der Dienst Duet AI für alle User:innen im Google Workspace ausgerollt und soll die Arbeitsprozesse im AI-Kontext revolutionieren. Duet AI soll als Echtzeitkooperations-Tool auf Basis von KI fungieren und die Texterstellung, Dokumentenzusammenfassung, Analyse von Meetings und Kommunikation allgemein im Arbeitsalltag erleichtern.
Niklas Lewanczik ist Redaktionsleiter bei OnlineMarketing.de und begleitet die Entwicklungen im Digitalmarketing seit 2016 aktiv als Redakteur – für kurze Zeit schrieb er auch für OMR. Nach dem Studium in Deutschsprachiger Literatur und Medien- und Kommunikationswissenschaft hat es Niklas vollends in die Digitalszene verschlagen, wo er sich und andere inzwischen als Journalist und Podcast Host informiert. Auf LinkedIn betreibt er den Newsletter „Nik’s Neues“, der hier kostenlos abonniert werden kann.