Das kann man sich nicht mal mehr schön saufen

Trotz aller Paid-Angebote: Werbung ist und bleibt für Redaktionen und Medien eine wichtige, in manchen Fällen immer noch die wichtigste in anderen sogar die ausschließliche Einnahmequelle. Je härter der Kampf um die Werbekunden und je dünner das betriebswirtschaftliche Eis auf dem sich Medien bewegen, desto schwieriger ist es für Journalist:innen wirklich unabhängig zu bleiben. Wenn es um die nackte Existenz geht, verkaufen manche auch schon mal ihre Seele. Gemeint ist die Aufhebung der strikten Trennung von Redaktion und Anzeigenabteilung - gerade bei Fachmedien inzwischen ein mehr oder weniger offenes Geheimnis. 

Einige Titel haben inzwischen eigene redaktionelle Teams, die sich um Advertorials, Sponsored Posts, sogenannte Stand Alone Mailings, Textanzeigen oder Social Media Texte kümmern - für Werbekunden wohlgemerkt. Der Erfolg dieser Maßnahmen bemisst sich am Ende an Öffnungs-, Klick- oder der “Click-Through-Rate”. 

Wie weit das Spiel getrieben wird, wird anhand der im November bevorstehenden Angebotsschlachten namens Cyber Week oder Monday, Black Week oder Friday. In dieser Zeit sitzen Redakteure bei Computer- oder IT-Fachmedien nahezu rund um die Uhr vor dem Bildschirm, um produktbezogene Text- oder sonstige Angebotsanzeigen zusammenzubauen. Da wird geschrieben, veröffentlicht, analysiert, optimiert, wieder geschrieben und das Spiel beginnt von vorn. Man ahnt, wie wenig Spaß so etwas macht. Und auch mit sportlichem Ehrgeiz à la “wer schreibt die Anzeige mit der besten Performance?” lässt sich das wohl kaum schönreden. Ich frage mich: Warum muss das anno 2021 immer noch redaktioneller Alltag sein? Wir haben Automatisierungstechnologien. Auf Basis Künstlicher Intelligenz. Selbstoptimierend. Im Live-Betrieb. Ausgangspunkt hierfür sind Produktdaten und der initiale Aufwand eines Texters. Das war’s. 

Man möchte Schnaps in den Redaktionen verteilen angesichts der Absurdität Tausende von Texten für diesen Zweck von Hand schreiben zu lassen.


Saim Alkan ist Gründer und CEO von AX Semantics. Der Wirtschaftsingenieur und KI-Experte erkannte früh die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz zur automatisierten Texterstellung in den Bereichen E-Commerce und Verlagswesen.