#10 / 2018
12/17

„im PDF lassen sich keine emotionen transportieren“

malte nielsen (NordLevel) über NOVAMAG

Auf dem Pressemarkt herrschen entweder blätterbare PDF-E-Paper oder klassische Webartikel – hinter Bezahlschranken – vor. Wohin steuert Ihre Lösung NOVAMAG?

Mit NOVAMAG bieten wir eine Lösung, mit der man ohne technische Vorkenntnisse, hochwertige und interaktive digitale Publikationen erstellen kann. Es handelt sich um native HTML5-Ausgaben, welche enorme Vorteile gegenüber den blätterbaren PDF-E-Paper-Lösungen mit sich bringen. Allen voran aus finanzieller und zeitlicher Sicht. Um ein hochwertiges PDF zu erstellen, benötigt man oft grafische Dienstleistungen, welche Kosten mit sich ziehen. NOVAMAG arbeitet mit Designvorlagen, welche der Benutzer nur noch mit seinem Inhalt füllen muss und diese am Ende stylen kann.

Gegenüber den Webartikeln lässt sich mit NOVAMAG eine Story erschaffen mit Start und Ende, eine abgeschlossene Einheit. Dieses führt zu einem linearem Flow, was verhindert, dass Leser hin und herspringen und ihren eigenen Weg gehen. Der Content kann besonders hervorgehoben und auf allen Endgeräten konsumiert werden. Multi- bzw. crossmediale Verknüpfungen von verschiedenen Auftritten sind möglich, insbesondere in den sozialen Netzwerken.

NOVAMAG soll für Agenturen, Verlage und Unternehmen eine kostengünstige Lösung sein, um prozessoptimierte, digitale Lösungen auf höchstem Niveau erstellen zu können, ohne auf die kostenintensive Pflege von externen Dienstleistern angewiesen zu sein.

Wo sehen Sie Lücken bei den E-Paper-Angeboten traditioneller Medien?

Am klassischen blätterbaren PDF nagt der Zahn der Zeit. Diese Lösungen sind oft nur ein Abbild der Printvariante, welche nicht für das Lesen auf mobilen Endgeräten ausgelegt sind. Hier hilft dann nur noch das Lupen-Icon oder das Hin- und Herwischen mit den Fingern, um überhaupt weiterlesen zu können 

Weitere eklatante Schwächen sind die schlechte bis gar nicht vorhandene Indexierbarkeit für Suchmaschinen, eine saubere Messbarkeit, wie sich der Leser im Detail im PDF verhält, und die fehlende Teilbarkeit in den sozialen Medien. 

Weiterhin fehlt es dem PDF an einer ordentlichen und strukturierten Navigation, so wie einer tiefgreifenden Suchfunktion, welche nicht nur die aktuelle PDF-Ausgabe, sondern alle Publikationen durchsucht. Auch lassen sich Emotionen in einem PDF mangels fehlender Multimediaunterstützung nicht wirklich transportieren. Ein Bewegtbild in einer Publikation sagt am Ende doch mehr aus als ein normales Bild.

Das PDF gilt als Universalwerkzeug, mit dem Medien ihre Print-Marke ins Digitale verlängern. Ist diese Strategie falsch?

Die Strategie ist sicherlich nicht komplett falsch, aber sie ist in jedem Fall überholt. Spätestens mit Einzug des Smartphones im täglichen Leben funktioniert das PDF nicht mehr ganz so gut, zumindest nicht als Verlängerung der Print-Marke. Printprodukte möchten gut aussehen, gut zu lesen sein und den Leser erreichen. Mit einer Ausgabe, welche man in den Händen hält, mag das auch – bedingt – funktionieren. Transportiert man nun diese Publikation eins zu eins auf ein PDF, welches wiederum auf einem mobilen Endgerät wie Tablet oder Smartphone gelesen werden muss, ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Es sieht nicht mehr gut aus, es lässt sich nicht mehr lesen und erreicht den Leser nicht mehr, da er nur noch genervt ist vom Leseverhalten mit Lupe und Wischen der Finger auf dem Endgerät. Das Medienunternehmen sollte sich die Stärken des Digitalen zu Nutze machen und seine Marke ins Digitale transportieren, jedoch ohne PDF. Durch eine saubere digitale Transformation seiner Marke erschließen sich dem Medienunternehmen völlig neue technische Möglichkeiten, so wie eine völlig neue Leserschaft und ein neues, interaktives Leseverhalten. Der – glückliche – Leser wird es ihm am Ende danken.

Die Ursprünge Ihres NOVAMAGs liegen bei einer großen Versicherung in der Schweiz. Wie ist der Stein ins Rollen gekommen?

Durch einen Kontakt sind wir auf einen Pitch aufmerksam geworden, bei dem die Aufgabenstellung darin lag, eine interne Printpublikation digital neu zu erfinden. Gründe für das Umdenken waren die klassischen “Print-Probleme”: Teure Herstellung durch eine Grafikagentur sowie hohe Druck- und Versandkosten. Wir haben eine kleine Technikdemo gebaut, welche Inhalte aus der Printvariante digital darstellen. Diese Lösung hat den Kunden letztlich überzeugt und uns den Zuschlag gesichert.

Wir haben danach in Zusammenarbeit mit einer Content-Agentur die Hefte produziert, welche nach und nach immer mehr Awards gewonnen haben. Teils gegen deutlich größere Agenturen und technische Lösungen. Diese Erkenntnis und die jahrelange Erfahrung in der Produktion von digitalen Publikationen mündete letztlich in der Entwicklung von NOVAMAG.

Was haben Sie aus den Erfahrungen mit Ihrem großen Pilotkunden gelernt?

Durch die Zusammenarbeit mit einer Content-Agentur haben wir sehr viel darüber gelernt, wie produziert wird. Einige Prozesse wurden unverändert aus der Printproduktion übernommen, was nicht mehr zeitgemäß war. Diese Prozesse haben wir optimiert oder überhaupt erst digitalisiert. Ein Beispiel ist das interne Redaktionssystem von NOVAMAG:wird sämtlicher Content produziert, der dabei zusätzlich eine Freigabestruktur durchläuft. Ein Praktikant schreibt beispielsweise einen Artikel, welcher von seinem Redakteur korrigiert, zurückgewiesen oder freigegeben werden kann. Dieser Artikel wird dann vom Chefredakteur erneut geprüft und in die nächste Freigabestufe geschoben, das Lektorat. Von hier aus geht es dann vielleicht weiter in die Übersetzung, um eine fremdsprachige Publikation zu erstellen Dieser Prozess läuft oft noch sehr analog ab, in Form von bedruckten Papieren oder hunderten von .docx Dokumenten, welche quer durch die Welt per E-Mail versendet werden. Chaos ist hier garantiert. Unser Redaktionssystem ist hier ein gutes Beispiel, wie NOVAMAG veraltete Prozesse neu erfindet.


Die Gründer von NordLevel kommen eher aus dem IT-Metier. Was reizt Sie an der Medienbranche?

Das Potenzial der Medienbranche im Zuge der digitalen Transformation. Es gibt hier noch so viel zu optimieren und neu zu erschaffen. Gerade in dem Bereich, in dem wir uns mit NOVAMAG bewegen, ist noch viel Luft nach oben. Die Produktion von digitalen Publikationen ist auf klassischen Wegen immer noch sehr aufwendig und teuer. Oft muss ein externer Dienstleister herangezogen werden, welcher die gewünschte Lösung exklusiv entwickeln muss. Das ist teuer und schreckt ab. Zudem haben uns immer mehr Printagenturen angesprochen, welche von ihren Kunden die Aufgabenstellung bekamen, demnächst auch oder sogar ausschließlich digital zu produzieren, um den hohen Printkosten entgegenzuwirken. Eine Printagentur mit vielen Jahren Erfahrung in ihrem Bereich steht somit vor dem Problem, in einem völlig neuen Segment – ohne Erfahrung – Dienstleistungen anbieten zu müssen, um ihre Kunden nicht zu verlieren. Mit NOVAMAG lösen wir dieses Problem für diese Agenturen, indem sich die Agentur weiterhin nur auf den Content konzentrieren kann und nicht auf die neue technische Herausforderung.

Klassische Medienhäuser stehen, neben dem schwierigen Anzeigengeschäft und dem vielfach beklagten Leserschwund, insofern zusätzlich unter Druck, als immer mehr Unternehmen/Marken selbst zu Medien werden – mit Content Marketing-Strategien. Wie können Medienhäuser mit Tools wie dem NOVAMAG dagegenhalten?

Sie können mit NOVAMAG auf den Zug aufspringen und sofort mitmischen, ohne über viele Erfahrungen zu verfügen. NOVAMAG ist ein ausgezeichnetes Content-Marketing-Tool, welches einfach zu bedienen ist. Gerade kleine Medienhäuser haben nicht die freien Ressourcen, um eine Strategie oder ein Werkzeug dieser Art zu entwickeln. NOVAMAG lässt sich intuitiv bedienen und man hat schnell seinen Workflow gefunden.

Wohin geht die Reise mit dem NOVAMAG? Welche Ausbaustufen planen Sie?

Wir möchten immer mehr Agenturen, Verlage und Unternehmen überzeugen mit NOVAMAG kostengünstiger, moderner und interaktiver ihre Publikationen zu produzieren und nach und nach die PDF-Lösungen abzulösen. Unsere Roadmap ist sehr lang und es gibt viel zu tun. Wir nehmen uns das Feedback unserer Kunden zu Herzen und verbessern unser System stetig mit den neuesten technischen Möglichkeiten.


Über NordLevel

NordLevel ist eine junge Hamburger Entwicklerschmiede plus Beratungsunternehmen. Der Claim des Unternehmens: „Qualität ist die eine Seite, das Web zu verstehen die andere –wir verbinden beides.“ Zu den Produkten zählt die innovative Webmagazin-Software NOVAMAG, mit der Medien und andere Unternehmen selbst, ohne Hilfe durch externe Agenturen, anspruchsvolle Onlinemedien erstellen können. 

Malte Nielsen

ist gelernter Fachinformatiker in Fachrichtung Systemintegration. Zu dem beschäftigt er sich seit den frühen Jahren mit dem Bereich der Webentwicklung und machte schon früh sein Hobby zum Beruf.