#1/ 2021
3/11

Ein paar Worte zum Geleit

Guten Tag! 

Neues Jahr, neues Glück? Aus vielen Gesprächen zu Jahresbeginn ist eher ein „Geht so“ herauszuhören. Das fehlende Gefühl für den traditionellen Neuanfang ist vermutlich größtenteils den scheinbar nicht enden wollenden Pandemie-Restriktionen zu verdanken. Auch die vielen „Das wird 2021 kommen“-Apologeten klingen gerade reichlich lahm. „Trendschauen ist in einem Jahr, das völlig unvorhersehbar und im Wesentlichen von pandemischen Entwicklungen abhängig ist, zu gewagt“, konstatiert unser Marketing-Kolumnist Martin Schwarz.

„Disruption“, „Digitale Transformation“ – auch dies zwei Begrifflichkeiten, die seit Langem pünktlich zu Jahresbeginn aus der Buzzword-Kiste gezogen werden. Seit Jahren ist die originäre Aufgabe des DIGITAL PUBLISHING REPORT, die oben erwähnten Trendschauen einerseits kritisch zu hinterfragen, andererseits aber den Finger auf tatsächlich relevante Entwicklungen zu legen. Schließlich erledigen sich manch dringliche Themen nicht dadurch, dass man sie nicht mehr hören mag. In einer neuen Reihe von Johannes Bertelmann wollen wir diesen Buzzwords auf den Grund gehen: „Im Mittelpunkt stehen ihre Relevanz für die strategische Ausrichtung von Unternehmen und/oder ihre Auswirkung auf den Alltag.“ 

Mit Innovationen, Relevanz, Veränderungen werden wir uns hier also auch weiterhin beschäftigen. Mit einer gehörigen Portion Realismus und Pragmatismus und immer mit „Amaras Gesetz“ im Hinterkopf. Geprägt wurde dies von Roy Amara, einem amerikanischen Wissenschaftler und Futuristen, es besagt: „Wir neigen dazu, die kurzfristige Wirkung einer Technologie zu überschätzen und die langfristige Wirkung zu unterschätzen.“ Kommt Ihnen das bekannt vor?

Absolut nicht zu unterschätzen ist die Entwicklung, die wir im Dreieck Technologie (hier vor allem die Rolle der großen Kommunikations-Plattformen), Journalismus und Gesellschaft schon eine Weile beobachten können, es geht dabei um Themen wie Gegenrealitäten, Fake News und informationelle Versorgung. Vor allem dem in den letzten Jahren oft übersehen Bereich „Lokaljournalismus“ kommt hier eine gewichtige Rolle zu, wie unser Autor Michael Geffken in dieser Ausgabe schreibt: „Einig sind sich die zumindest Wohlmeinenden im Lande, dass den lokalen und regionalen Medien in einer demokratischen Gesellschaft eine zentrale Rolle zukommt: Sie sind für die individuelle und öffentliche Meinungs- und Willensbildung vor Ort unverzichtbar, besitzen eine enge Bindung zu ihren Nutzern und schaffen Räume für Identifikation, Dialog, Toleranz und Nähe. Doch mit den gedruckten Ausgaben der Lokal- und Regionalzeitungen geht es kontinuierlich bergab, die Grenze der Wirtschaftlichkeit ist bei vielen Zeitungen in Sicht – trotz aller oft brutalen Sparmaßnahmen. Und die digitalen Aktivitäten bringen weder beim Paid Content noch bei der Werbung die Einnahmen, die die sinkenden Einnahmen im Print kompensieren.“ Dem muss entgegengesteuert werden, deswegen starten wir mit dieser Ausgabe die dpr-Initiative „Lokalmedien 2025“ und werden in diesem Jahr die künftigen Möglichkeiten für Lokal- und Regionalmedien ausloten. Und wir freuen uns, wenn Sie uns auf dieser Reise kritisch und kommentierend begleiten.

Das Gefühl, es habe sich zu Jahresbeginn wenig verändert, manifestiert sich für viele auch in der alltäglichen Arbeitssituation. In der Ausgabe 08/20 unseres Magazins hatten wir die erste Blitzumfrage „Zoom-Fatigue oder Digital-Paradies?“ veröffentlicht. Wir wollten damals, als wir die Pandemie halb überwunden glaubten, dem aktuellen Stand und der zukünftigen Entwicklung des mobilen Arbeitens auf den Grund gehen. Eines der Ergebnisse: Trotz aller Be- und Einschränkungen traf Remote Work bzw. Homeoffice eher bei den Beschäftigten auf Gegenliebe, etwas verhaltender auf Seiten der Unternehmen. Und damals fragten wir uns, wie nachhaltig diese Entwicklung wohl sein würde. 

Jetzt stecken wir mitten im zweiten Lockdown, die Politik drängt die Unternehmen, mehr Homeoffice zuzulassen – während auf der anderen Seite in vielen Diskussionen und Gesprächen die Schattenseiten von Remote Work in den Vordergrund drängen. Deswegen wollen wir in einer zweiten Umfrage den aktuellen Stand Ihrer Erfahrungen und Befindlichkeiten auf den Grund gehen. Hier geht es zur Umfrage. Das Ergebnis werden wir dann in der nächsten Ausgabe des DIGITAL PUBLISHING REPORT veröffentlichen. Ich bin schon gespannt auf Ihre Antworten!


Steffen Meier

Gründer & Herausgeber