#1/ 2019
3/11

ein paar worte zum geleit

Ein recht bewegtes Jahr, dieses 2018: Gerangel um die Verlegerpauschale, die Monopolkommission der Europäischen Union stürzte sich auf die Buchpreisbindung (momentan steht es 1:0 für die Befürworter, aber das Spiel läuft noch), im Frühjahr verlor die Branche mal eben 6,4 Millionen Buchleserinnen und Buchleser, Filialisten schluckten unabhängige Buchhandlungen (hier entsteht vermutlich bald ein schwäbisches Amazon …) Nicht zu vergessen natürlich die Mutter aller Fragen: Folie oder nicht Folie?

Insgesamt aber trotzdem ein halbwegs zufriedenstellendes Jahr für viele Verlage – so viel sei als kleiner Vorgeschmack auf das halbjährliche dpr-Stimmungsbarometer schon verraten, das in der nächsten Ausgabe erscheint. Der Kunde bzw. der Kontakt zu ihm (oder ihr) bleibt dabei übrigens weiter vordringlichste Aufgabe. Wie man diesen Zugang digital gestaltet, darüber haben wir im letzten Jahr ausgiebig berichtet – und werden dies auch 2019 weiter tun. Just in dieser Ausgabe mit einem Artikel zu der Frage, was „Customer Centricity“, eines der Buzzwords im Kontext von Kundenbeziehungen, eigentlich wirklich bedeutet.

Im vorliegenden Magazin wollen wir uns aber auch einmal der Frage widmen, welche Arten von Geschichten und Inhalten eigentlich zeitgemäß sind, neudeutsch: Storytellling 2.0. In den letzten Jahren wurde in der Medienbranche viel darüber diskutiert, wie man E-Books und E-Mags produziert und über welche Kanäle man diese distribuiert. Meist ging es dabei immer um digitale Surrogate gedruckter Originale, für mein Gefühl aber noch viel zu wenig darum, wie sich neue Lese- und Interaktionsmöglichkeiten auf Inhalte selbst auswirken. Maximal ging die Sorge um, dass ominöse Phänomene wie eine „KI“ einmal selbst Geschichten schreiben könnten – diesem Unbehagen ziehen wir den Zahn. Wir zeigen aber auch einige Beispiele, von VR bis WhatsApp, wie Geschichten heute erzählt werden können. Und unter „Geschichten“ sind hier auch durchaus Fachinformationen verstanden, gerade hier wird von vielen Verlagen viel Potenzial verschenkt.

Apropos „Potenzial verschenken“: Machen Verlage „outbound“-Marketing, versteht man darunter Printanzeigen für den Buchhandel in den bekannten Branchenmagazinen und die unter Verkaufsaspekten sinnlosen Autoren-Anzeigen in Tageszeitungen zur Buchmesse – im Digitalen wird dann noch ein bisschen auf Facebook und Google geworben, meist mal „zum Ausprobieren“. Das war es dann. Aber leise, still und heimlich hat sich Amazon, Produkt-Suchmaschine Nummer 1 in Deutschland, auch zur Werbeplattform gemausert. Eine praktische Anleitung, wie Verlage mit ihren Produkten Anzeigen auf Amazon platzieren können, findet sich denn auch in dieser Ausgabe.

Insofern bleibt auch 2019 das im letzten Jahr alle 14 Tage gesagte: Viel Vergnügen und Erkenntnisse bei der Lektüre!


Steffen Meier